BSC 1954 Lampertheim


Lampertheim hatte schon einmal einen Boxclub!

Gegründet 1954 und in den 60er, 70er und 80er Jahren äußerst erfolgreich. Den älteren Lampertheimer Boxsportfreunden dürften die Namen Rudi Moos, Fred Baier, Guido Glück, Phlilipp Sommer u.v.m.  noch gut bekannt sein.

Rolf Eichenauer,  früheres Vorstandsmitglied und selbst als Kämpfer aktiv, hat dankenswerterweise seine zahlreich gesammelten Bilder und Berichte zur Verfügung gestellt und mit viel Einsatz diese Seite als Erinnerung mitgestaltet.  Der Boxclub "Punching" bedankt sich herzlich bei Rolf für diese wertvollen Erinnerungen. Der BSC 1954 Lampertheim wurde im Jahre 2002 aufgelöst.

 

 


Gründung und 1960-er Jahre

stehend v.links: Philipp Sommer.sen.,Valentin Grieser,Rolf Eichenauer,K.H.Schneider,K.H. Neske,K.H. Neudecker,Fred Wagenknecht,D.Schneider,Max Mühlum,unten v.links: Dieter Heid,Manfred Baier,C.Smith, Wolfgang Liebscher,Heinz Wienand,Guido Glück
stehend v.links: Philipp Sommer.sen.,Valentin Grieser,Rolf Eichenauer,K.H.Schneider,K.H. Neske,K.H. Neudecker,Fred Wagenknecht,D.Schneider,Max Mühlum,unten v.links: Dieter Heid,Manfred Baier,C.Smith, Wolfgang Liebscher,Heinz Wienand,Guido Glück

Als sich am 11.Juni 1954 einige boxsportbegeisterte Lampertheimer im damaligen Gasthaus „Storchen“ (Hagenstrasse) zusammenfanden um einen Boxsportclub zu gründen, schien es zunächst eine Neuauflage bereits früher bestandener  Interessengemeinschaften. Es waren nur wenige Jahre seit der Auflösung des nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges entstandenen Boxclubs  „Eiche Lampertheim“ vergangen, dem zu einem großen Teil noch Aktive und Funktionäre angehörten, die den Boxsport schon vor 1933 mit wechselndem Erfolg ausgeübt hatte Bei der jetzigen Neugründung wurde allerdings ausdrücklich betont, dass der neue Club mit dem Alten nicht identisch sei und auf völlig neuer Basis aufgebaut würde.

Dabei ermahnte der Leiter der Gründungsversammlung eindringlich von Halbheiten die Finger zu lassen und nicht auf halbem Wege stehen zu bleiben. Es bestand also der feste Vorsatz, den seit 1926 hier betriebenen Boxsport neu zu beleben und auch ernsthaft zu betreiben.

Zurückblickend kann man sagen, dass dieser Versuch ein voller Erfolg wurde. Der Verein erlebte schon in den ersten Jahren einen nahezu kometenhaften Aufstieg. Das Zuschauerinteresse wuchs von Veranstaltung zu Veranstaltung. 

Bei der Gründung hätte allerdings niemand gewagt eine solche Entwicklung anzunehmen. Man trainierte zunächst dienstags im Saal des Gasthauses „Zur Rose“, bis durch zahlreiche Zugänge erforderlich, auch der Donnerstag hinzugenommen werden musste. Anfänglich fanden auch die Veranstaltungen im „Rose-Saal“ statt, ausgenommen die Großkämpfe anlässlich des Spargelfestes, die im Festzelt stattfanden. Wechsel des Vereinslokals waren schon oft Wendepunkte im Vereinsgeschehen, so auch hier, als das Training und die Kämpfe in den „Rheingoldsaal“ (Kaiserstrasse) und später in den Saal des „Reichsadler“ (1.Neugasse)  verlegt wurde.

 

Nach der Gründung des Boxsport-Club-54 Lampertheim (BSC 54) im Jahre 1954 versuchte sich die Staffel zuerst gegen Mannschaften aus der

näheren Umgebung . Aus Bensheim, Lorsch, Viernheim und Heppenheim kamen die Gegner. Langsam stellten sich Erfolge für Lampertheimer

Kämpfer ein. S.David, H.Schumacher und Rudi Moos standen 1958 im Finale der Hessenmeisterschaft in Wiesbaden. Schumacher und David wurden Hessische Vizemeister , der Aussenseiter Moos holte sich den Titel im Fliegengewicht.

 

1959 wurde Max Mühlum neuer Vorsitzender des Clubs. Unter seiner Regie wurde noch im selben Jahr die Spitzenstaffel des SSV ULM verpflichtet. In ihren Reihen stand der frischgebackene Europameister im Bantamgewicht Horst Rascher. Der Kampf fand in der überfüllten Jahnturnhalle in der Blücherstrasse statt. Gastboxer G.Wiewecke zog sich gegen seinen prominenten Gegner achtbar mit einer Punktniederlage aus der Affaire. Horst Rascher holte bei Europameisterschaften noch einmal Silber und einmal Bronze und wurde 10 X Deutscher Meister im Bantamgewicht.. Auch unser Rudi Moos war später Gegner von Horst Rascher.

 

 

H o r s t  R a s c h e r


Bislang kämpfte man in einem selbstgebauten Ring.  Nachdem 1961 ein moderner Hochring angeschafft wurde, ging es rasant aufwärts mit dem BSC 54 Lampertheim.

 

SV Prag Stuttgart, Hagen-Haspe, die Johannpeter-Staffel  „Märkischer Boxring Hamm/Westfalen (in dieser Mannschaft kämpften 6 Brüder namens Johannpeter, unter ihnen der amtierende Deutsche Meister, sowie der DM im Bantamgewicht Paul Budde), 1. FC Kaisersalutern  (mit dem späteren Profi-Europameister Lothar Stengel), FSV Frankfurt, Meidericher SV (mit dem Deutschen Meister Dieter Woytena)……BC Speyer (mit Europameister Hans Freistadt)………so hiessen die nationalen Gegner des BSC 54 in dieser Zeit.

 

Dabei waren die aufstrebenden Kämpfer des BSC 54  immer ebenbürtige Kontrahenten ihrer prominenten Gegenüber. Rudi Moos erreichte in Lampertheim gegen Hans Freistadt ein Unentschieden.

 

Beim Rückkampf in Ludwigshafen - Freistadt war inzwischen Europameister geworden- siegte der Ludwigshafener durch ein umstrittenes Urteil knapp nach Punkten. Georg Noe musste in seinem ersten Seniorenkampf gegen den starken erfahrenen Lothar Stengel die Punkte abgeben.  Manfred Baier verlor seinen Kampf gegen den DM Dieter Woytena nach Punkten (es war ein Achtungserfolg) und Karl-Heinz Neudecker brachte den DM K.H.Johannpeter mit seinen „Gedörrten“  (weit ausgeholte Aufwärtshaken) schwer in Bedrängnis. Der BSC 54 konnte in dieser Zeit eine ausgewogene starke Staffel in allen Gewichtsklassen  vom Fliegen- bis Schwergewicht stellen.

 

 

 

 Jetzt wurden auch internationale Mannschaften nach Lampertheim verpflichtet. Der ASK Steyr, der Boxring  Graz aus Österreich, DUKLA Prag, der ABC Bern (mit mehreren Schweizer Meistern) , gecoacht von ihrem legendären Trainer Charly Bühler, sowie eine Staffel aus Rumänien  traten in Lampertheim an und fuhren besiegt nach Hause.

 

Die Highlights

 

..................jedoch waren die Kämpfe gegen die US-Soldatenstaffeln aus MA-Käfertal  und den Coleman-Barracks , MA-Sandhofen. Deren Kämpfer waren fast täglich in ihren komplett eingerichteten Gyms im Training.  Bei den US-Staffeln  konnte es – trotz  Kampfvertrag  - ein Problem geben.  Es war immer möglich, dass sie den Kampf kurzfristig absagten. Das geschah einmal und zwar bei einer Veranstaltung gegen die Boxer der Coleman-Barracks. Bis zum Morgen des Kampftages war noch alles klar. Der Vorverkauf lief hervorragend. Man ging von einem vollen Haus aus. Dann kam kurz vor Mittag die Absage. In letzter Minute konnte der Vorsitzende Max Mühlum die US-Boxstaffel aus MA-Käfertak kurzfristig verpflichten. Der Kampfabend war gerettet. Aufatmen bei allen Beteiligten. Die Gründe für solche Absagen waren plötzlich angesagte Einsätze, Bereitschaft, militärische Gründe u.s.w. Davon waren auch die Boxer nicht ausgenommen. Das erste Auftreten der Coleman-Boxer war eine Supershow.Mit freiem Oberkörper, bekleidet mit seidenen Kampfmänteln und dem für sie vorgeschriebenen Kopfschutz tänzelten sie einzeln zur Vorstellung in den Ring. Der Letzte, der das Seilgeviert betrat, trug ihr „Maskottchen“ , einen riesigen Hund in den Ring. Die Show dauerte 15 Minuten. Die Besucher im Saal tobten vor Begeisterung. So etwas hatte man in Lampertheim noch nicht gesehen. Die Begeisterung erreichte ihren Höhepunkt als Fred Baier seinen fast 2-Kopf größeren Gegner klar nach Punkten schlug. Guido Glück demoralisierte seinen Gegner im Mittelgewicht bis zum K.O. in der Schlussrunde. Richard Moos siegte in der ersten Rund durch K.O. Sein Bruder Rudi Moos musste eine hauchdünne Punktniederlage gegen den Army-Europameister Thomson hinnehmen.

 

Training im Reichsadler

 

Im Winter eiskalt und im Sommer eine Bullenhitze…das waren die Gegebenheiten im Saal des Vereinslokals „Reichsadler“.  Duschen…gab es keine. Und wenn gerade eine Tauben-oder Vogelausstellung im Saal stattfand, wurde eben zwischen Käfigen, Stühlen und Tischen trainiert. Das tat der guten Stimmung keinen Abbruch

Denn auch so konnte man Gerade und Haken erlernen.

Die 1970- er und 1980- er Jahre


 

 

 

In den 1970-er Jahren beendeten einige Leistungsträger ihre Karriere krankheits- bzw. altersbedingt.

Einen "OLDIE" aber packte noch einmal der Ehrgeiz:  RUDI MOOS.

 

Der Fliegen- und Bantamgewichtler nahm das Training wieder auf, konnte das Halbfliegengewicht

(bis 48,- kg) bringen und nahm 1971 an den Deutschen Meisterschaften in Kiel teil.

Dort schlug der 33-jährige im Viertelfinale den Deutschen Exmeister Lothar Kannenwurf durch K.O., unterlag aber im Finale dem Bayernmeister Kurt Pichl aus Gunzenhausen.

 

 

Ehrung des Deutschen Vizemeisters

durch Guido Glück

 

 

 

7 Jahre später kam dann die abschließende Krönung seiner Karriere.

Rudi Moos brachte wieder das Bantamgewicht (bis 53,-kg). Er war  40 Jahre alt.

Gegen den jungen, bärenstarken A.Keck aus Aschaffenburg holte er sich durch einen hohen Punktsieg in Frankfurt/M. seinen 9. Hessentitel.


Im nächsten Kampf wurde er in Hanau Südwestdeutscher Meister durch einen Punktsieg über B.Carra aus Speyer.

 

 

 

 

Damit hatte  sich Rudi Moos für die Deutschen Meisterschaften 1978, die in Schriesheim stattfanden , qualifiziert.

Er schaffte es bis ins Halbfinale, wo er gegen den Favoriten und späteren Titelträger Roland Gier aus Hamburg  mit einem 4 : 1 Urteil unterlag und sich damit einen 3. Platz bei den DM sicherte.


Man hatte, das muss aber auch gesagt sein, während der erfolgreichen Jahre doch versäumt sich stärker um den Nachwuchs zu kümmern.

Die "Alten" hatten ihre Laufbahn beendet, und die "Jungen" waren noch nicht soweit, deren Erbe anzutreten.

 

Dies änderte sich am Anfang der 80-er Jahre.

Mit den Trainern Rudi Moos, Georg Noe und Giovanni Caruso kam wieder neuer Schwung in den Trainingsbetrieb.

Durch die Jugend wurde man wieder aufmerksam auf den BSC 54 Lampertheim.

Man fuhr zu Nachwuchsturnieren, half mit Gastboxern anderen befreundeten Vereinen, veranstaltete selbst Kämpfe und nahm auch wieder an Jugend- und Juniorenmeisterschaften teil. Und dies mit schönen Erfolgen, mit denen die Trainingsarbeit belohnt wurde.  Die Gebrüder Tino, Roberto und Mario Caruso sowie Peter Becker holten Hessen- und Süddeutsche Titel.

 

 

 

 

 

 


Den größten Erfolg aber konnte Roberto Caruso verbuchen. Er wurde 1981 Deutscher Jugendmeister im Halbschwergewicht.

In einem mitreißenden Finale besiegte er den Meisterschaftsfavoriten Andre Hoth aus Berlin verdient nach Punkten. Der damalige Bürgermeister Hans Pfeiffer und sein Nachfolger Gisbert Dieter ließen es sich nicht nehmen, Roberto Caruso noch am Abend seiner Rückker von den Meisterschaften in der "Siedlerhalle" mit einem großen Blumenstraus zu empfangen.

 

 

 

 

v.l. Trainer G.Caruso, Roberto Caruso, W.Kark , Bgm H.Pfeiffer ,G.Glück, G.Dieter


Mitte der 80-er Jahre bemerkte man, wie in vielen Vereinen,  auch beim BSC 54 Lampertheim die aufsteigende Popularität anderer Sportarten.

Boris Becker wurde mit 17 Jahren Wimbledonsieger und der Tennis-Boom riss so manche Lücke in Mannschaften der Sportvereine . Davon war auch der BSC 54 betroffen.

 

1985 versuchte man sich noch einmal mit einer Kampfgemeinschaft in der 2. Box-Bundesliga. Ein Kampf wurde in der Hans-Pfeiffer-Halle ausgetragen. Leider fanden nur ganz wenige Zuschauer den Weg dorthin. Die Veranstaltung endete mit einem fianziellen Defizit.

Das war der Anfang vom Ende des BSC 54 Lampertheim. Wegen mangelnder Beteiligung wurde der Trainingsbetrieb eingestellt. Veranstaltungen fanden keine mehr statt. Der Boxring wurde eingemottet und der      Verein schließlich aufgelöst.

 


Titel und Platzierungen für BSC 54 - Boxer

Rudi Moos

9 - facher Hessenmeister (Fliegen- u.Bantamgewicht)

Deutscher Vizemeister 1971 (Halbfliegengewicht)

3. Platz bei den Deutschen Meisterschaften 1978 mit 41 Jahren (Bantamgewicht)

Mehrere Einsätze in der Hessenauswahl

Einsatz in der Nationalstaffel

Georg Noe

Badischer Juniorenmeister sowie 3.Platz bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften 1964 (Halbmittelgewicht)

Hessenmeister 1966 (Halbmittelgewicht)

Rheinlandmeister (Mittelgewicht)

Armeemeister (Mittelgewicht)

 

Guido Glück  (links)

Hessischer und Süddeutscher Juniorenmeister 1960 (Mittelgewicht)

Teilnehmer an den Deutschen Juniorenmeisterschaften in München

boxte mehrmals in der Hessenauswahl

 

Heinrich Sommer (rechts)

Hessischer und Süddeutscher Juniorenmeister 1960 (Leichtgewicht)

boxte mehrmals in der Hessenauswahl

 

In der Mitte Trainer Rudi Baader

Manfred (Fredsche) Baier

Bezirksmeister, Hessischer Vizemeister 1963 (Federgewicht)

boxte mehrmals in der Hessenauswahl

Karl-Heinz Neske

Hessischer Juniorenmeister 1960 (Bantamgewicht)

Helmut Schumacher

Hessischer Vizemeister 1958

Karl-Heinz Neudecker  (rechts)

Bezirksmeister 1960 (Halbweltergewicht)

Wolfgang Liebscher

Bezirksmeister 1960 (Weltergewicht)

Siegfried David

Hessischer Vizemeister 1958

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

v.l.n.r. Roberto Caruso,Peter Becker,Mario Caruso,Tino Caruso,  1.Vorsitzender Willi Kark

 

Roberto Caruso

Deutscher Jugendmeister 1981 (Halbschwergewicht)

Hessischer Juniorenmeister und 3. Platz bei den Deutschen Jun.Meisterschaften 1982 (Halbschwergewicht)

Südwestdeutscher Juniorenmeister 1983 (Halbschwergewicht)

 

Peter Becker

Hessischer Juniorenmeister 1982 (Leichtgewicht)

 

Mario Caruso

Hessischer Juniorenmeister 1982 (Mittelgewicht) 

 

Tino Caruso

Hessischer Jugendmeister 1982 (Mittelgewicht)

 

Gerhard Warias

Hessischer Juniorenvizemeister (Schwergewicht)

 

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